Sonntag, 5. Oktober 2014

Essay | Was ist das mit der Schönheit?

Was ist Schönheit? Oberflächlich. Undefiniert. Nicht mal der Duden weiß eine Antwort. Gibt es überhaupt die absolute Schönheit?
Ein Essay über hässliche Menschen und Idealvorstellungen.

„Du bist hässlich“ – das ist beleidigend. Dennoch sagen es sich die Menschen selbst die ganze Zeit. Warum ist es unhöflich, ihnen zuzustimmen? Innere Werte zählen. Politisch korrekt. Aber wir wissen alle, dass es nicht stimmt.
Nur zwei Prozent der deutschen Frauen finden sich schön. Zwei Prozent. Vier Schulklassen – darunter ein Mädchen, was sich selbst akzeptiert. Die anderen meckern über dasselbe: Zu dick. Zu dünn. Zu groß. Zu klein. Oder alles auf einmal, aber an den falschen Stellen. Keine hätte gern einen schöneren Charakter. Dabei sind diese Mädchen nicht hässlich - lediglich in der falschen Zeit geboren.


Wirft man einen Blick in die Geschichte, sieht man, dass die Schönheitsideale einem ständigen Auf und Ab unterliegen.
Antike – dick sein erlaubt. Mittelalter – klein und zierlich. Renaissance – Recht auf weibliche Rundungen. Viktorianisches Zeitalter – Freiheit im Korsett eingeschnürt. 20er Jahre – Coco Chanel greift zur Schere, Befreiung durch Hosenanzug, Selbstbewusstsein.

Blöderweise sind Hosen jetzt mainstream, statt selbstbewusst und die Vorurteile des 17. Jahrhunderts prägen uns immer noch. Hässliche Menschen sind böse. Schönheit steht für einen perfekten Charakter.
Diese Stereotypen nutzt auch die Medienweltwelt. Figuren lassen sich besser verkörpern. Produkte besser vermarkten. Auch wichtig: Bearbeitungsprogramme und Make-up. Viel Make-up. Die Wirkung ist nicht zu unterschätzen. Dem ungeschulten Auge wird eine falsche Norm vermittelt. Wir treten unseren Mitmenschen mit zu hohen Erwartungen entgegen. Erst recht uns selbst.
Der Fotograf Martin Schoeller kämpft gegen diese Fehlwahrnehmung an. Er leuchtet Portraits berühmter Stars aus und vergrößert sie extrem. Aus dem schönen Model wird ein Mädchen mit Pickeln und fahler Haut. Das macht den Vergleich mit sich selbst direkt viel angenehmer.


Doch während wir uns mit Vergleichen und Messbarem beschäftigen – Kopfformen, Umfängen, Gleichungen, um die Idealform des Körperteils XY auszurechnen – vergessen wir einen wichtigen Aspekt. Einen Aspekt, der auch das fahle Pickelgesicht schön macht.
Ein Lächeln, ein Zwinkern, ihre positive Art. Die Gabe, sich nicht zwischen Norm und Individualismus entscheiden zu müssen. Gelassenheit, Ungezwungenheit – Natürlichkeit.

Die Natur ist die einzige Sache, die alle Menschen schön finden. Jede Kulisse hat ihre einzigartige Schönheit. Nicht umsonst heißt es:

„Eine Blume vergleicht sich nicht mit den anderen. Sie blüht einfach.“

Kommentare:

  1. Wow, der Post ist wirklich toll und so schön geschrieben <3
    Liebe Grüße,
    Julia

    alwaysbeyourselves.blogspot.de

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  2. Das hast aber nicht du selbst geschrieben, oder?

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